Ebner, Jakob, rk. Zuchthauspfarrer und
Heimatforscher.
geb. 17. 2. 1873 in Unteralpfen, rk., gest. 26. 4. 1960 in Unteralpfen.
Vater, Martin Ebner., Land- und Gastwirt, Drechslermeister. Mutter
Anna, geb. Mayer, Tochter des Fridolin
Mayer. und der Rosa, geb. Schmidle. Geschwister, 4 Brüder, 5
Schwestern.
1879-1887 Volksschule Unteralpfen
1887-1891 Lender'sche Anstalt Sasbach
1891-1893 Großherzogl. Gymnasium Freiburg, mit Abitur
1893 -1897 Studium der Theologie und Geschichte a. d. Univ. Freiburg i.
Br.
1897 (1. 7.) Ordination, Vikar in Unadingen und Stühlingen
1900 Pfarrer in Sipplingen,
1901 Kaplaneiverweser in Pfullendorf,
1903 Pfarrer in Bietingen/Meßkirch
1914 Kriegsfreiwilliger und Feldgeistlicher
1916-1919 Divisionspfarrer der 29. Infanteriedivision
1921 Zuchthauspfarrer in Bruchsal, 1924 Oberpfarrer
1934 Entlassung auf Grund der Denunziation eines Häftlings, Kurat
in Grenzach
1937 Erzbischöfl. Geistl. Rat
1941 Ruhestand in Unteralpfen
1947 Ehrendoktorwürde der theol. Fakultät Freiburg
Ehrenbürger von Unteralpfen
1952-1953 Vorsitzender Richter im Seligsprechungs-prozeß der Sr.
Ulrike Nisch im Kloster Hegne
1953 Ehrenmitglied des Landesverbandes der Bad. Gefangenen- und
Entlassenenfürsorge
1958 Bundesverdienstkreuz am Bande
Der aus einer kinderreichen Familie stammende Jakob Ebner war
ein rechter "Hotz" und zeitlebens auf seine bäuerliche Abkunft
stolz. Das seit Jahrhunderten vererbte stolze Bewußtsein der
Freiheit, ein untrügliches Gefühl für Recht und
Gerechtigkeit, rastloser Eifer, Fleiß und zähe Ausdauer
paarten sich mit Urteilskraft, bewundernswertem
Einfühlungsvermögen, Herzensgüte und Liebe zu Natur und
Heimat, auch zu den kleinen, oft unscheinbaren Dingen. Sein Bestreben
war es, durch die Darstellung der Vergangenheit den Menschen die
Geschichte ihrer Heimat vertraut und wert zu machen.
Dabei war er ein "Volkspfarrer" wie Heinrich Hansjakob und auch
um das irdische Wohlergehen seiner Pfarrkinder besorgt, wovon seine
Vorträge und Abhandlungen über Landwirtschaft, Obstbau und
Bienenzucht zeugen.
Er selbst war mit Leib und Seele Bienenvater.
Jakob Ebner, der sich für die Einführung des Volksvereins
engagiert hatte, wurde im Dritten Reich 1934 als untragbar aus seinem
Amt als Oberpfarrer des Zuchthauses Bruchsal entlassen. Die
unfreiwillige Muse benutzte er, sich noch intensiver als zuvor der
heimatgeschichtlichen Forschung zuzuwenden.
Geschichte und Schicksal des Hauensteiner Landes und Volkes waren ihm
Herzenssache, und über den Weg der wissenschaftlichen Forschung
wollte er als Chronist zum Herzen seiner Landsleute sprechen.
Das erklärt die der Quellenforschung und Darstellung nach
gewissenhafte Abfassung der einzelnen Kapitel seiner Ortsgeschichten,
die andererseits eine übersichtliche, methodische Bearbeitung
vermissen lassen.
Gleichwohl hat er als einer der Pioniere der Hotzenwaldforschung
entscheidende Anstöße gegeben. Da die Geschichte der
einzelnen Orte immer wieder ineinander greift, regte ihn jede Arbeit zu
weiterer Forschung an, und so folgten seinem 1908 erschienenen
Erstlingswerk "Eine Müllerdynastie im Schwarzwald" (Mühle in
Unteralpfen) die Ortsgeschichte von Unteralpfen (19252), der Pfarrei
Waldkirch (1933), der Pfarrei Birndorf (1938), von Tiefenstein (1950),
von Görwihl und des Görwihler Berges (1952), der Pfarrei
Görwihl (1953), der Pfarrei Niederwihl (1955), der Pfarrei
Luttingen (1956), von Grenzach (1957) und der Pfarrei Hochsal (1958),
die meisten im Selbstverlag. Unvollendet blieb die Ortsgeschichte von
Dogern.
Jakob Ebner. war unbestritten einer der besten Kenner der Geschichte
des Hauensteiner Landes, und angesichts seines erstaunlich
umfangreichen Lebenswerkes wird sein Ausspruch glaubhaft, daß
"nicht sobald jemand diese zahlreichen alten Schriften durchlesen und
bearbeiten werde". Gemeint sind die Gesamtarchivalien des
Generallandesarchivs Karlsruhe über das Hauensteiner Land.
1929 unternahm Jakob Ebner. eine Reise in das rumänische Banat, um
dem Schicksal der im 18. Jahrhundert ausgewanderten und verbannten
Hauensteiner nachzuforschen. Sein Hauptwerk und besonderes Verdienst
ist eine im Gegensatz zu manch anderen Veröffentlichungen
aktengetreue, klare und ausführliche Darstellung der Geschichte
der Salpeterer des 18. und 19. Jahrhunderts (3 Bde. 1952/54).
Als Mitarbeiter der Tagespresse, des Rundfunks und vieler Zeitschriften
(u. a. FDA, OP [Oberrhein. Pastoralblatt], Mein Heimatland, Badische
Heimat, Deutsch-Ungarische Blätter, St. Konradsblatt und
-kalender) verfaßte er unzählige wertvolle Beiträge zu
historischen Themen.
Quelle:
Aus Badische Biographien, Neue Folge
Band 2
Brigitte Matt-Willmatt