Autor: Franz Hilger, Pfaffenweiler
Im Jahre 1970 gedachte die Stadt St. Blasien in einer
würdigen Feier der 250. Wiederkehr des Geburtstages des
bedeutendsten Abtes des einstigen Benediktinerklosters St. Blasien,
Martin Gerbert.
Dieser Gedenktag war Anlaß für eine große Zahl von
Geschichtsforschern nach weiteren Unterlagen über Gerbert zu
suchen um die Sammlungen zu vervollständigen und damit ein
umfassendes Bild über das vielseitige Wirken dieses Mannes und
seiner Mitarbeiter zu schaffen.
Ein besonderes Augenmerk legte der hochbegabte Fürstabt auf die
Förderung der Wissenschaften in seinem Kloster. Durch seine
Gelehrtenakademie wurde St. Blasien zu einer Lehranstalt der
Philosophie, der Theologie und der Geschichte. In Gerberts
"historischer Schule" wurden mit äußerster
Gründlichkeit profan und kirchengeschichtliche Werke erarbeitet.
Zu der Gelehrtenakademie des Benediktinerklosters gehörten eine
ganze Reihe Wissenschaftler, die Gerbert unterstützten. Die
bekanntesten dieser Konventualen waren Marquart Herrgott, Stanislaus
Wülberz, Meinrad Troger, Roman Endel, Hugo Schmidfeld, Rustenus
Heer, Fintan Linder, Franz Kreuter, Amilian Ussermann, Trudpert
Neugart, Vinzenz Ilger, Konrad Boppert, Johann Baptist Weiß,
Ambros Eichhorn, Anselm Buß, Viktor Keller und Lukas Meyer.
Über die meisten der Konventualen, die in der Gelehrtenakademie
tätig waren, sind in den geschichtlichen Unterlagen Beschreibungen
über ihre Herkunft, ihre Schulausbildung und ihr besonderes
Betätigungsfeld innerhalb der Akademie festgehalten,
außerdem sind in den Archiven und Bibliotheken noch eine
große Zahl der von ihnen erarbeiteten Werken erhalten. Der
jüngste dieses Kreises, den aus Gündelwangen gebürtige
Lukas Meyer, ein vielseitig begabter und fleißiger Gelehrter,
wurde vor 200 Jahren, im Jahre 1774, geboren. Im Zusammenhang mit den
Gerbert - Forschungen stieß man auch auf Unterlagen über
Lukas Meyer. Aus Anlaß des 200. Geburtstages des Gelehrten sei
nun in nachfolgendem kurzgefaßten Aufsatz über das Leben und
Wirken dieses Mannes, soweit aus den Unterlagen zu entnehmen war,
berichtet.
"Armut und Leid sind eine nicht weniger gefährliche als schwere
Schule für gewöhnliche Menschen" so schreibt Professor Dr.
Heinrich Schreiber im Jahre 1831 über Meyer, "Diese machen darin
nicht nur keine Fortschritte, sondern gehen meistens sowohl
bürgerlich als sittlich unter. Mit frischer Lebenslust, welche nur
ein sich wohl und behaglich fühlendes Wesen durchdringt,
verschwindet nach und nach bei ihnen die äußere Tatkraft,
und was noch mehr ist, das Gefühl ihrer höheren sittlichen
Würde. Sie werden gleichzeitig träge, brüten vor sich
hin oder berauschen sich nach langer Versagung in augenblicklichen
Genüssen, verschmähen kein noch so unedles Mittel, sich den
notdürftigen Unterhalt zu verschaffen, und hadern voll Bitterkeit
mit der Vorsehung, daß sie Glücklicheren so viel Güter,
ihnen aber nichts als Mangel und Elend zugeschieden hat. Nur wenige
Treffliche gehen gestärkt und geläutert aus dieser Schule,
wie aus einer Feuerprobe hervor.
Nicht etwa bloß seltene Genien, welche sich überall Bahn
brechen, ihre Kraft an den Hindernissen üben, den Verfolgungen
Trotz bieten, und in jedem Kampfe gewaltiger und unbezwinglicher
werden, sondern auch bisweilen solche Menschen, welche ihren
Mitbrüdern nahe stehen, deren Maß von Kräften das
gewöhnliche nicht auffallend übersteigt, denen jede
Entbehrung und jedes Leid tief zu Herzen geht, die es schmerzlich
fühlen, daß sie in ihrem Aufstreben gehindert sind, und sich
doch nicht über Verhältnisse und Umgebungen zu erheben
vermögen, denen es aber auch an Beharrlichkeit und Ausdauer nicht
fehlt, die eben deshalb Zeit und Tätigkeit sorgsam zusammenhalten,
um doch in einem kleinen Kreise wohltätig zu wirken, die endlich,
was vielleicht das Schwerste ist, Freunde Gottes und der Menschen
bleiben, und mit liebevollem Gemüte andern jene Bahn zu
erleichtern suchen, welche sie mit so großer Anstrengung und
Aufopferung zurückgelegt haben.
Zu diesen nicht gewöhnlichen Menschen, welche, von Armut und
Leiden groß gezogen, dennoch ihrer besseren Natur in jeder
Beziehung treu bleiben, und, nur langsam und ohne Geräusch,
dennoch unermüdlich und für lange Dauer wirksam sind,
gehört Joseph Lukas Meyer." Diese Sätze, die Professor
Schreiberin einer Gedächtnisrede vortrug, sind die passende
Einleitung zu dieser kurzen Biographie über Lukas Meyer.
Als Sohn einer armen Häuslerfamilie wurde Lukas Meyer am 8. Januar
1774 in Holzschlag bei Gündelwangen geboren. Die Gemeinde
gehörte damals zur reichsunmittelbaren Grafschaft Bonndorf. Sein
Heimathaus trug den Namen "Auerhäusle". Nach der Taufurkunde ist
sein Taufname Josephus, die Namen der Eltern sind Blasius Meyer und
Maria geborene Lindwen. Taufpfarrer war Josef Tröndlin und die
Paten Jakob Lintner und Magdalena Tröscherin. Der Junge besuchte
1781 kurz die Dorfschule von Boll, mußte sie aber bald wieder
verlassen, weil er zuhause zum Viehhüten gebraucht wurde.
Während der Winterzeit mußte er beim Mousselinsticken
helfen, dies war damals der Haupterwerb der Bauern in dieser Gegend.
Vielleicht waren es gerade die Jugendjahre, die er in der Stille und
Einsamkeit der Weidfelder und beim Stricken während der Winterzeit
verbrachte, ausschlaggebend, daß sich Meyer immer mit besonderer
Liebe mit der Geschichte seiner Heimat befaßte.
Bis er einen geregelten Schulunterricht besuchen konnte, mußte er
einen langen und schweren Weg gehen. Seine Mutter starb (1782) und sein
Vater heiratete zum zweitenmal. Mit seiner Stiefmutter verstand er sich
offensichtlich nicht und so kam er im Alter von zwölf Jahren
(1785) "auf ein gutes Glück" nach Bonndorf zu den Paulinern.
Bereits im Jahre 1402 wurde von Rudolf von Wolffurt das Bonndorfer
Klösterle der Pauliner gegründet, das bis zur
Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts (auch unter der
Herrschaft des Klosters St. Blasien) existierte. In dem Paulinerkloster
wurde Meyer nur wenig beachtet und er verbrachte die meiste Zeit in
einer stillen Ecke des Klostergartens, "wo er öfters bittere
Thränen über seine trost-lose Lage vergoß". Der
Gärtner des Klosters nahm sich seiner an, er besorgte ihm
Bücher und es gelang dem Gärtner, die guten geistigen Anlagen
des jungen zu fördern. Der wißbegierige Knabe machte so gute
Fortschritte, daß er die Lateinschule der Benediktiner in
Villingen und später das Gymnasium in Donaueschingen besuchen
konnte. Im Benediktinerkloster Villingen, das damals von Georg Maurer
geleitet wurde, wurde Meyer von einer Familie Schilling
unterstützt. Mit einem Sohn der Familie Schilling, mit dem Josef
Meyer an Privatunterricht teilnehmen konnte, verband ihn eine gute
Freundschaft. (Später als Meyer Pfarrer in Nöggenschwiel und
Gurtweil war, war sein Freund Schilling Oberamtmann in Waldshut.)
Im Jahre 1791 fragte er beim Kloster St. Blasien an, um in die Reihe
der Mönche aufgenommen zu werden. Seine Bitte wurde ihm verwehrt.
St. Blasien hatte es sich zum politischen Grundsatz gemacht, Kinder von
Untertanen nur in geringer Zahl und nur bei Mangel an Bewerbern
aufzunehmen. Daraufhin setzte Meyer seine Studien an der Hochschule in
Freiburg fort.
Im Jahre 1793 kam für ihn völlig überraschend die
Nachricht, daß er in das Kloster St. Blasien aufgenommen werden
könne. Meyer befand sich jetzt, nachdem er einige Zeit in Freiburg
studiert hatte, nicht mehr in der gleichen Stimmung wie früher. Er
hatte Vorlesungen bedeutender und freisinniger Männer, wie Ruef,
Sauter und Jakob, gehört, somit kam er mit ganz anderen
Vorstellungen wie früher nach St. Blasien. Er wußte, wie in
St. Blasien die wissenschaftlichen Arbeiten gefördert wurden, er
wußte auch von einer großen Bibliothek und einem
umfangreichen Archiv. Nicht minder zog ihn die Verschiedenheit in
diesem Kloster an. Hier wurde kein Mönch zeitlebens in eine
öde Klosterzelle verbannt, sondern jeder konnte nach seinen
Fähigkeiten tätig sein.
Einige Monate vor seinem Eintritt starb sein großes Vorbild
Fürstabt Martin Gerbert. Der Nachfolger Gerberts wurde Moritz
Ribbele aus Wolfert (1793-1801). Am 22. Februar 1795 legte Meyer sein
Ordensgelübde ab und nahm den Klosternamen Lukas an.
Lukas Meyer fand nach und nach das Klosterleben ganz anders als er es
sich vorgestellt hatte. Hier hing nämlich alles von der
Persönlichkeit des Vorstehers ab. Abt Moritz Ribbele galt als ein
sehr freundlicher und gebildeter Mann, doch die damaligen politischen
Auseinandersetzungen veranlaßten den Abt oft über viele
Monate hinweg, die Angelegenheiten des Stifts St. Blasien am
kaiserlichen Hof in Wien zu vertreten. Er hatte daher wenig Zeit, sich
um das Kloster zu kümmern und überließ die Leitung
anderen Vorgesetzten. Diese begannen, den Gelehrten die für ihre
Arbeiten gegönnte Zeit zu versagen und befahlen sie sich im Chor
oder in der Schule nützlich zu machen. Der engherzige, durch Neid
und Mißgunst zurückgestoßene Mönchsgeist nahm von
Tag zu Tag mehr überhand, und niemand fühlte das Unheil
schmerzlicher als der junge Konventuale Lukas Meyer, der voller
Begeisterung und Schaffenskraft an wissenschaftlicher Arbeit ins
Kloster ging. In einem Brief an einen Freund in Wien berichtete er von
seiner bitteren Enttäuschung. "Ich habe", so schrieb Meyer, "in
meinem Streben nach Wissenschaften einen Fehltritt getan, welcher sich
nicht mehr zurücknehmen läßt. Das Kloster ist der
Musensitz nicht mehr, welchen ich darin finden hoffte."
Der Brief kam anstatt an den Freund in die Hände des Dekans, er
öffnete ihn und verfügte über Meyer eine harte Strafe.
Man sonderte ihn von den übrigen Konventualen ab, wies ihm am
Tisch die unterste Stelle an und nötigte ihn, über Monate
hinweg zur frühen Morgenstunde die Frühmette zu besuchen.
Später, als ihm in den freien Stunden der Garten wieder offen
stand, hüteten sich die meisten, dem Geächteten nahe zu
kommen. Meyer zog es daher vor, das Leben der Insekten zu studieren,
stundenlang verweilte er bei einem Netz einer Spinne oder bei einem
Ameisenhaufen. Was aber den jungen Mann am meisten schmerzte, war,
daß man ihm unter dem Vorwand, "er sei ein schwächeres
Subjekt", das Studium der französischen und italienischen Sprache
verwehrte und ihm den Besuch der Bibliothek verboten hatte. Nur durch
eine dritte Hand konnte er manchmal ein Buch bekommen. So erlernte er
die griechische und die Anfangsgründe der hebräischen Sprache
unter Mitwirkung eines guten Freundes. Nach dieser Zeit der
Demütigung und Zurücksetzung wurde Lukas Meyer dann im Jahre
1799 zum Priester geweiht. Seine Mitnovizen waren: Bartholomäus
Herder von Rottweil, Johann Schumacher von Herrenzimmern, Johann Roder
von Rheinheim, Michael Fay von Biberach und Josef Dannhauser von
Rastatt.
Ein Jahr nach der Priesterweihe wurde er als Lehrer für die
griechische Sprache an das Lyzeum nach Konstanz geschickt. Hier begann
für ihn ein neues Leben und "er fing vielmehr erst hier an, seines
Lebens froh zu werden." Der ihm anvertraute Kreis sagte ihm in jeder
Beziehung zu. Was ihn aber am meisten beglückte war, daß er
oft mit dem Generalvikar Freiherr von Wessenberg zusammensein konnte.
"Dieser hatte, wie ein neuaufgegangenes herrliches Gestirn, alle Augen
auf sich gezogen, und die Wünsche und Erwartungen eines jeden
Gutgesinnten in sich vereinigt. Er entsprach ihnen auch im vollsten
Maße. Treu dem Wahlspruch des Hauses ‚Gerade und kräftig'
folgte er unumwunden seiner besten Überzeugung, und ließ
sich weder durch offene Widersetzlichkeit zurückschrecken, noch
durch geheime Umtrieb irreführen."
Bald war Meyer Mitarbeiter der von Wessenberg herausgegebenen
"Geistlichen Monatsschrift für das Bistum Konstanz", die
später als "Archiv für die Pastoralkonferenzen" erschien. Er
knüpfte Bekanntschaften und hatte einen regen Briefwechsel mit
Gelehrten des In- und Auslandes.
"Da erschien er seinen Oberen gefährlich und unerwartet
verhängten diese den härtesten Schlag über ihn, der
unter diesen Umständen auf ihn fallen konnte. Wie ein Blitzstrahl
vom heiteren Himmel traf des sorglosen jungen Mann, welcher sich ganz
in dem Glücke verlor, geachtet zu sein, und einem erwünschten
Berufe zu leben, der strenge Befehl, Konstanz sogleich zu verlassen und
dem Lehrfache zu entsagen. Als sein künftiger Bestimmungs- oder
vielmehr Verbannungsort war ihm das schaurige Todtmoos angewiesen, wo
er in der Wallfahrtskirche im Todtenbache die Stelle eines Pfarrers und
Beichtigers versehen sollte." Meyer mußte als Pfarrer nach
Todtmoos (1804) "Jetzt war die Gehässigkeit und Verfolgung zu weit
getrieben, und da Meyers Vorgesetzte befürchten mußten, ihn
auf das Äußerste zu bringen", lenkten sie wieder ein und
versetzten ihn nach Oberried, wo er zwar auch eine beschwerliche
Pfarrei hatte, aber doch Gelegenheit von Zeit zu Zeit nach Freiburg zu
fahren. Es vergingen viele Monate bis sich Meyer von diesem schweren
Schlag erholt hatte. Nach der Auflösung des Klosters St. Blasien
im Jahre 1806 wurde er, obwohl gegen seine Wünsche, als Pfarrer
von Oberried bestätigt. Er hatte zwar gebeten, ihn wieder als
Lehrer zu verwenden, aber es war jetzt der Grundsatz geworden, alle
Mönche von diesen Posten zu entfernen. Nun widmete sich Meyer der
Erforschung der Geschichte seiner Pfarrei. Wessenberg hatte den einsam
lebenden Priestern empfohlen "sich mit den geschichtlichen Ereignissen
der Pfarrei vertraut zu machen, er kann die darin bemerkenswerten
Züge sammeln, in ein Ganzes vereinigen, dieses mit topographischen
und statistischen Nachrichten ausstatten, und auf solche Weise nicht
nur seiner Gemeinde ein für sie besonders erfreuliches Geschenk,
sondern auch dem Geschichtsschreiber des Vaterlandes einen ihm
erwünschten Beitrag zur Kenntnis des Landes und seiner
Erzeugnisse, der Altertümer, der Kultur und Sitten übergeben.
Eine naheliegende, erfreuliche und zugleich dankbare Arbeit für
einen jeden Geistlichen dem es in seiner Abgeschiedenheit nur zu leicht
an Stoff mangelt, seine Zeit eben so angenehm als nützlich
zuzubringen."
Mit der "Geschichte des Tales St. Wilhelm bei Oberried, als Beitrag zu
einstigen Pfarrgeschichte" nahm der Zyklus seiner historischen Arbeiten
seinen Anfang.
Im Jahre 1809 erhielt Meyer von der Kantonsregierung St. Gallen den
ehrenvollen Ruf, die Direktion des neugegründeten Gymnasiums zu
übernehmen. Doch seine Obrigkeit sah es nicht gerne, wenn er
Deutschland verlasse und versprach ihm zugleich, einen besseren Posten
zukommen zu lassen. Lukas Meyer wurde Pfarrer von Nöggenschwiel
bei Waldshut. (Im Pfarrarchiv von Nöggenschwiel war leider nichts
mehr über Meyer aufzufinden, außer den üblichen
Eintragungen in den Kirchenbüchern). Meyers historische Arbeiten
über Nöggenschwiel bezogen sich nicht nur auf die Geschichte
dieser Pfarrei, sondern auf die ganze Raumschaft aus der später
die Geschichte der Grafschaft Hauenstein hervorging. Nach vier Jahren
seelsorgerischer Tätigkeit in Nöggenschwiel
(Anmerkung *1) wurde Meyer
Pfarrer von Gurtweil.
(Anmerkung *2) Schon kurz
nach seinem Amtsantritt wurde in Gurtweil ein Lazarett mit
Typhuskranken eingerichtet.
In einem ausführlichen Bericht, den Meyer damals über die
Zustände verfaßte, ist unter anderem folgendes zu lesen:
"Kaum erscholl der Ruf daß in der Probstei ein Lazarett errichtet
sei, so führten die Bauern aus der äußersten Baar und
von allen Seiten her viele Kranke zusammen, daß sie im
Schloß nicht mehr konnten untergebracht werden. Aus Erbarmen
beherbergte man solche in Bauernhäusern, wodurch schnell die
Seuche des Nervenfiebers sich einwurzelte und bald schrecklich
wütete. Den Anfang machte der 18. Dezember und bald lagen
über 600 Mann im Schloß. Anfangs Jänner richtete man
noch die Schütten und Bühnen zu, so daß die Zahl
über 1100 anstieg. Obgleich viele hingerafft wurden, kam alle
Abende Ersatz von Frankreich an. Anfangs März 1814 war nur ein
Student der Chirurgie hier, erst Mitte März langte das
österreichische Spitalkommando aus Böhmen hier an. Im Juli
1814 war dieses Spital aufgelöst und fast geleert, doch liegen
heute noch, am 26. Juli 1814 einige Reste darin, dem Tode nahe. Wir
erwarten also die Auflösung täglich. Die Toten wurden am
nordwestlichen Eingang innerhalb der Umfassungsmauer beerdigt. Es
sollen ungefähr 3000 dort liegen."
Ein Kommandant quartierte sich im Pfarrhaus ein. Er behandelte Meyer
wie sein Knecht und drohte ihm den Kopf zu spalten, wenn er nicht die
Seelsorge im Hospital übernehmen wolle.
Die Bürger von Gurtweil wurden aufgefordert abwechselnd die
kranken Soldaten zu versorgen. Auf diese Weise verbreitete sich die
Krankheit im Dorfe und bald starben auch viele Bürger der
Gemeinde. Auch der Kommandant erkrankte. Durch die Hilfe von Pfarrer
Meyer und seinen Hausangestellten konnte er gerettet werden. Nach neun
Monaten wurde das Lazarett aufgelöst und der Kommandant "schied
mit Tränen der Rührung und des Dankes von dem Manne, dem er
sich mit Verwünschungen genähert hatte."
Soweit es die vielfältige Arbeit als Pfarrer zuließ, wendete
sich Meyer seinen Studien zu, deren Resultate leider nur teilweise
veröffentlicht wurden. Im theologischen Gebiet befaßte er
sich besonders mit der Heiligen Schrift in der Ursprache und die
Verbesserung der Liturgie, worüber er eine Reihe von
Aufsätzen für das "Archiv für Pastoralconferencen"
lieferte. Im historischen Gebiet erweiterte er in Gurtweil seine
bereits bestehende Sammlung und stellte neue Forschungen an.
"Wer in sein Pfarrhaus trat, erkannte sogleich den Mann von Geist und
Geschmack", so schrieb Dr. Schreiber. "Das schönste Zimmer war
seiner Bibliothek gewidmet, welche besonders aus griechischen und
lateinischen Klassikern und Ausgaben der Heiligen Väter bestand
und jedem Freunde zu jeder Zeit offen war. Allenthalben herrschte
Reinlichkeit und Niedlichkeit ohne Luxus, zugleich war Meyer sehr
gastfrei ohne Verschwendung, und wußte genau den Mittelweg zu
treffen. Für sich selbst beobachtet er eine außerordentliche
Mäßigkeit, welche von der höchsten
Selbstüberwindung zeugte, und welcher allein er noch einige Jahre
seines Lebens zu danken hatte. Die Zeit, die er nicht dem Studium oder
den Berufsgeschäften widmete, brachte er mit Gartenarbeiten, mit
Buchbinden oder an der Hobelbank zu, selbst in der Kochkunst war er
nicht fremd. Überhaupt sucht er sich von allen, womit er in
Berührung kam, möglichste Kenntnisse zu erwerben. Er wurde
hierbei von einer seltenen Beobachtungsgabe begünstigt, welche
schnell in die kleinsten Merkmale der Gegenstände eindrang und ihm
eine Schärfe und Sicherheit physiognomischer Auffassung verlieh,
wodurch er seine Freunde oft in Verwunderung setzte
(Anmerkung *3). Auch sein
Gedächtnis war vorzüglich. In seinen letzten Jahren
beschäftigte er sich wieder mit dem Bibelstudium des alten Bundes
nach dem Grundtext. Er erwarb sich darin eine solche Geschicklichkeit,
daß er sogar einen gelehrten Juden durch seine grammatischen und
exegetischen Kenntnisse überraschte. In Religionssachen zeigte er
durchgehends sehr geläuterte Ansichten. Man sagt, eine Blume
richte sich in Wachstum und Geruch nach dem Boden und der
Atmosphäre, wohin sie verpflanzt wird. Bei Meyer war es nicht der
Fall, Mönchsvorurteile hingen nicht an. Er haßt vielmehr das
Mönchstum aus tiefstem Herzengrunde und fürchtete sich vor
demselben.
Die Aufforderung, in das Kloster zurückzukehren, würde ihm
wie ein Todesurteil geklungen haben. Auch die übermacht des
Papstes auf deutschem Boden, scheute er sich, wie vor einem Gespenst,
wobei allerdings seine Kränklichkeit großen Einfluß
haben mochte. Oft wurde es ihm so unheimlich, als kämen schon die
Schreckensmänner der Inquisition und wollten ihn ergreifen, weil
auch er in das ihnen verhaßte Archiv Beiträge geliefert
hatte. Übrigens suchte er seine Überzeugung ebenso wenig
andern aufzudrängen, als er an der Überzeugung anderer
rüttelte, und Zweifel dagegen erhob. Er wußte wohl,
daß gewöhnliche Menschen, besonders durch plötzliche
Vernichtung lang gehegter Ansichten, nur unruhig und gegen jede
Wahrheit mißtrauisch oder ganz überzeugungs- und
charakterlos werden, indem sie, aus der angewöhnten Ideenreihe
herausgerissen, in die fremde und unterschobene sich nicht zu finden
vermögen." Meyers Freund und Förderer, der
Klostergärtner des Paulinenklosters in Bonndorf, verbrachte seinen
Lebensabend im Pfarrhaus in Gurtweil.
Als Glied der Kirche und des Staates gehörte er zu den
Freisinnigen, er haßte Willkür und Gewaltherrschaft. Als er
einmal von seinen Vorgesetzten die Weisung bekam, einem in der
Nachbarschaft wohnenden Vikar während dessen Abwesenheit den
Schreibpult aufzubrechen und verdächtige Briefe zu holen, lehnte
Meyer entschieden ab und empörte sich, daß man ihm ein "so
unwürdiges Ansinnen machen konnte". "Im Umgang mit andern, welche
bei weitem keinen Vergleich mit ihm aushielten, war er nie
anmaßend, und ließ dieselben nie seine Überlegenheit
fühlen.
Geheimnisse konnten in keinem Schoß sicherer, als in dem Seinigen
niedergelegt werden. Stets bereit, auf seiner Hut zu sein, drückte
er sich immer vorsichtig und gewählt aus. Beleidigende Reden oder
Handlungen tief empfindend, beherrschte er sich doch stets in einem
solchen Grade, daß er durch seine Erwiderung nie ein
Blöße gab. Rache übte er an niemanden."
Meyer hatte stets ein gutes Verhältnis zu seinen Dienstboten, aber
auch sie verehrten ihn wie einen Vater. Der Genuß von Wein und
auch Kartenspiel mied er, man sah ihn daher auch nie in
Wirtshäusern, auf Märkten oder in lustigen Gesellschaften.
Am 18. Juni 1821 starb Lukas Meyer. (Anmerkung
*4) Seinem Wunsch entsprechend wurde er in der Kleidung des
Priesters auf dem Friedhof in Gurtweil beerdigt. Auf seiner
Ruhestätte sollte kein Grabstein sondern nur ein bescheidenes
Eisenkreuz angebracht werden.
In einer geschlossenen Kapsel, die von Freunden dem Grabe beigelegt
wurde, wird folgendes mitgeteilt: "Hier ruhet aus im finstern Haus, von
Geistarbeiten, Körperlenden, Hirtensorgen, bis zu der Auferstehung
hellem Morgen, in heiliger Stille die Marterhülle, des Joseph
Lukas Meyer. Er war geboren zu Gündelwangen im Jahre 1774 den 8.
Jänner, zum Priester geweiht 1799 den 21. September, Professor in
Konstanz vom Jahr 1800 bis 1804, Pfarrer zu Oberried von 1804 bis 1809,
Pfarrer zu Nöggenschwiel von 1809 bis 1813, zu Gurtweil von 1813
bis 1821, starb hier am 18. Juni 1821, R.I.P."
In seinem Testament wurde festgelegt, daß neben seinen Verwandten
und Dienstboten, ein Teil aus seiner Hinterlassenschaft in eine
Stiftung für einen Studierenden, welcher Weltpriester werden
möchte, verwendet wird. In seinem umfassenden Testament hat Meyer
genau aufgeschrieben wie hoch das Stipendium sein soll und nach welchen
Gesichtspunkten der in Frage kommende Studierende ausgewählt
werden soll. Das Stipendium erhielt den Namen St.-Lukas-Stiftung. In
folgendem sei ein Auszug aus diesem Testament mitgeteilt. "Stets von
Krankheit gemartert, lege ich hier in dieser Schrift meinen letzten
Willen über mein weniges irdisches Vermögen nieder, das mir
die liebe Fürsehung beschert hat.
Nach meiner Bestattung soll man alle meine Fahrnisse, was ich nicht
unter Lebende etwa verschenkt oder durch ein Legat vergabt haben werde,
an bares Geld, so gut als möglich, verwerten, das Geld vom
besagten Erlöße einheben, die Schulden tilgen, rechtliche
Anforderungen an mich bezahlen. Sodann soll man alle etwaigen
Geldbriefe und auch alles übrige erlößete Geld zu einem
Stiftungsfond, Namens St.-Lukas-Stiftung einem in Bonndorf oder dessen
Umgebung aufzustellenden Fondverwalter überliefern, welcher
Verwalter, ein rechtschaffener Mann, Bürgschaft leisten, sogleich
das Geld zu fünfprozentigen (wenn's nicht höher geschehen
kann) Zinsen auf Versicherungen hin anzulegen, verwalten, verrechnen,
einheben, verausgaben soll, unter obrigkeitlicher Aufsicht und nach
Landesgesetzen. Für Mühewaltung sollen ihm fünf Prozent
von Zinseinnahmen jährlich gebühren. Alle Jahr hat dieser
Fondpfleger Rechnung zu legen. In Beziehung auf Rechnungstellung will
ich, daß nebst der landesgesetzlichen Behörde des
Landesbischofs einen benachbarten Pfarrer beauftrage, daß dieser
alle Jahre der jährlichen Rechnungsabhör beiwohne, und, wo
nötig, Bemerkungen mache, auch einen Rechnungsausweis der
bischöflichen Behörde allemal zustelle. Beinebens hat
derselben Rechnungsabhör jährlich mit Einsicht und Teilnahme
beizuwohnen mein Bruder Blasius Meyer bei Grafenhausen, nach ihm der
älteste Abstämmling männlichen Geschlechts (und falls
dieser minderjährig wäre, in dessen Namen sein Pfleger) von
ihm. Dafür hat der Stiftungspfleger diesen 2 Gulden jährlich
zu geben zum Erweiß, woher die Stiftung rühre. Falls aber
die männliche eheliche Abfolge meines Bruders Blasius Meyer
erlöschen sollte, will ich, daß an dessen Stelle jeweils ein
Vorsteher von Aha zur Rechnungsabhör gezogen werde mit dem Bezug
einer gesetzlichen Tagesgebühr. Alles dies soll zu ewigen Zeiten
so gehalten werden."
Nach dieser Einleitung folgen in drei Teilen eine genaue Aufstellung
was Meyer seinen Dienstboten, seinen Geschwistern und deren Kindern aus
seinem Vermögen zugedacht hat. "Denn ich halte dafür" so
schreibt Lukas Meyer "daß mit als Herr und Meister die erste
Obrigkeit für meine treuen Dienstboten, als Blutsfreunde die
nächste für meine dürftigen Halbbrüder und
Halbschwestern, denn auch für deren dürftigen Kinder- meine
Neffen und Niesen- diese von Liebe gebotene Unterstützung zur
Pflicht mache. Ich bitte daher die Obrigkeit dringlichst, diesen meinen
beurkundeten Willen nach dem hier buchstäblichen Sinn und Verstand
stets und genau zu vollstrecken."
Im vierten Teil des Testaments hat Meyer festgelegt, wer in den
Genuß des von ihm gestifteten Stipendium, das fortan den Namen
St.-Lukas-Stiftung tragen soll, kommen soll. "Es wird die
Fondsverwaltung nach ewig fortgesetzt, diesen Fond soll man so hoch
anwachsen lassen, bevor diese Stiftung vollzogen wird, daß er
noch nebst sämtlichen Verwaltungskosten jährlich noch etwas
rein an Zinsen als zweihundert Gulden abwirft. Im ganzen aber will ich,
er soll so hoch anwachsen, daß alljährlich nebst den
Verwaltungskosten dreihundert Gulden rein an Zinsen abfallen.
Sobald also der Fond so hoch vermehrt ist, hat der Fondspfleger und das
Ortspfarramt (wo der Pfleger den Wohnsitz hat) das Zivilamt zu bitten
und veranlassen, daß die Behörde den in nächstfolgenden
Beteiligten Nachricht erteile, es sei ein jährliches Stipendium
aus dem St.-Lukas-Fond für einen, sich dem Weltpriesterstand
(sonst zu keinem anderen Zweck als diesem) widmenden Jüngling
eröffnet.
Rechtlichen Anteil haben an diesem jährlichen Stipendium:
I. Vorerst, und vor allem vorzüglich die männlichen ehelichen
Abstämmlinge von meinem Halbbruder Blasius Meyer, deren leiblicher
Vater oder leiblicher mütterlicher Großvater den Stamm und
Geschlechtsnamen "Meyer" führen (andere Schreibart als "Meyer" ist
ausgeschlossen, denn so hießen meine Urväter und nicht
anders).
II. Bürgerliche eheliche Kinder (Söhne) aus dem Bezirke
Holzschlag, im Pfarrsprengel Gündelwangen, in dem Umfang, wie er
am 8. Januar 1774 an Häußern bestund, weil dieses der
Geburtsort von mir und meiner seligen Mutter ist.
III. Bürgerliche eheliche Söhne der Einwohner von Aha im
Pfarrsprengel Schluchsee (ausgeschlossen Krummen und Äule), weil
ich da das von meinem seligen Vater angeerbte Ortsbürgerrecht
besitze.
IV. Bürgerliche eheliche Söhne der Einwohner von Bonndorf im
Alpgau (ausgeschlossen alle Höfe und Nebenörter), weil ich
hier die erste wissenschaftliche Weihe durch Unterstützung
wohltätiger Leute empfing.
V. Bürgerliche eheliche Söhne des Dorfes Boll, der Pfarrei
Gündelwangen (ausgeschlossen sind Nebenorte und Nebenhöfe),
weil ich da den ersten Schulunterricht erhielt.
Wenn mehrere Jünglinge sich melden, hat nur einer den Genuß
des Stipendiums zu erwarten. Ich bestimme folgende Regel: Meldet sich
ein Jüngling mit dem Beistand seiner Eltern, der Pfleger, so hat
er Zeugnisse vom Lehrer, Pfarrer und dem Amtsschulvisitator oder Dekan
über Sittlichkeit, hinreichende gute Anlagen und dergleichen dem
Fondspfleger, dessen Wohnortspfarrer, und der Amtsbehörde
vorzulegen und Bescheid zu erwarten. Unerläßlich sind
begründete Dürftigkeitszeugnisse, denn Reiche haben genug
für sich, solche sind immer ausgeschlossen. Ceteris paribus hat
der Dürftigere vor dem minder Dürftigen den Vorzug."
Lukas Meyer schrieb nun genau auf, welche Schulen zu besuchen und
welche Studienfächer zu belegen sind. Es ist in dieser Stiftung
auch festgelegt wie hoch das Stipendium sein darf und wie lange es
bezahlt werden soll.
Zum Schluß des Dokuments heißt es: "Diese meine Stiftung
soll ewige Kraft haben nach ihrem wörtlichen Inhalt. Ich
unterstelle dieselbe dem Schutz des Staates und der
vaterländischen Kirche. Ich setze voraus, mein Wille, Gutes
für Staat und Kirche zu erzielen, werde nicht verkannt werden.
Sollte aber der vierte Teil dieser Urkunde und Stiftung nicht in
Vollzug kommen oder später vernachlässigt, zu andern, als
bisher ausgedrückten Zwecken verwendet werden: so will und
verordne ich, daß sie sämtlichen ehelichen Abstämmlinge
dann von meinem Bruder Blasius Meyer, wie sie auch verwandt sein
mögen, nach der Zahl ihrer nochhin vorhandenen Köpfe das
ganze Stiftungsgut unter sich gleich zu verteilen befugt und berechtigt
sein sollen. Dies hätte aber erst nach der Zeit, nach dem alles
von § 1 bis § 20 befolgt sein wird, zu geschehen.
Wofern jemand von meinen Geschwistern oder Verwandten oder laut dieser
Urkunde Beteiligten dieses mein Testament im Ganzen oder in einzelnen
Teilen anzufechten oder zu bestreiten sich erdreistete, soll derselbe
nicht nur nicht gehört sondern falls ihm diese Urkunde etwas
zudächte, von aller Teilnahme daran gänzlich ausgeschlossen
werden.
Denn ich habe mit Rat, Besonnenheit und reifer Überlegung diese
meine letzte Willenurkunde eigenhändig über mein rechtliches
Eigentum darüber mir das volle Verfügungsrecht zusteht.
Ich bitte den Herrn Schilling, dermal Amtmann zu Waldshut, und Herrn
Keller, dermal Pfarrer von Grafenhausen aus dem Schwarzwald, sich der
Mühe zu unterziehen, als Exekutoren diese Urkunde nach ihrem
ganzen Inhalt zu vollstrecken und die Amtsbehörden vollziehen zu
lassen.
Falls ich irgendwo etwas nicht klar genug ausgesprochen haben sollte,
oder ein Zweifel entstehen sollte, so haben diese beiden genannten
Herrn Executoren Erklärung und Deutung nach der Idee dieser
Urkunde zu geben.
Die Gründe für die drei vorderen Teile dieser Stiftung wurden
erwähnt, daß ich den vierten Teil hinzufügte, bewog
mich mein Jugendschicksal, ich wünsche nämlich sehr,
daß von meinen Landsleuten fähige arme Jünglinge sich
dem Welt- oder Landpriesterstand zum Wohl des ganzen Vaterlandes widmen
sollen, ohne dem abschreckenden Drangsal der Armut, worunter ich so oft
zagen mußte, eine Beute zu werden.
Ich bitte nun noch Gott und Menschen, dieser meiner redlichen und
wohlmeinenden St.-Lukas-Stiftung alles Gedeihen in vollem Maß
bescheren und ewiglich aufrecht und blühend erhalten zu wollen."
1. Welchen Nutzen kann der Seelsorger für seine
Berufsgeschäfte aus der Kirchengeschichte ziehen, und aus welchem
Gesichtspunkte muß er sie studieren?
(Archiv für die Pastoralkonferenzen in den Landkapiteln des
Bistums Konstanz, 1808
2. Ein Laut aus dem Leben des seligen Martin Gerbert von Hornrau,
Fürstabt im vormaligen Stifte St. Blasien (1811)
3. Über das Benehmen des Seelsorgers bei solchen
außerordentlichen gottesdienstlichen Verrichtungen, welche er
nach seiner Meinung gut heißt. (1811)
4. Meine Ansicht über die Liturgie. Ein Konferenzaufsatz
veranlaßt durch die bischöfliche Konferenzfrage "Wie
müßte ein Buch eingerichtet sein, und was müßte
es enthalten, wenn es die ganze Volksliturgie in sich schließen
sollte?" (1812)
5. Das Pfarrbuch zu Kirchzarten (1813)
6. über die Frage: Wie Konferenzen abzuhalten seien? (1815)
7. Über die Ansichten und Mittel einer zweckmäßigen
Regeneration der Liturgie. (1816)
8. Der heilige Gallus als Christenlehrer. Ein Beitrag zu seiner
Biographie. (1818)
9. Versuch einer Beantwortung der Frage, nach welcher Methode sollte
die Kirchengeschichte überhaupt und das Bistums Konstanz
insbesondere geschrieben werden, um für die Seelsorge in jeder
Hinsicht lehrreich zu sein? (1819)
10. Über den Gesamtwillen der einzelnen katholischen Kirchen in
ihren Sendräthen, in Beziehung auf das Großherzogliche
Badische Bistum Konstanz (1810)
11. Geschichtliche Beleuchtung des alemannischen Volksglaubens (1819)
12. Stiftungsurkunde über den Armenfond zu Gurtweil (1820)
--- Geschichte der Salpeterer auf dem Süd - östlichen
Schwarzwalde, Herausgegeben und mit einer Biographie des Verfassers, so
wie mit einem Nachtrage zur Geschichte der Salpeterer versehen von Dr.
Heinrich Schreiber (1857)
13. Geschichte des Tales St. Wilhelm bei Oberried, als
Beitrag zur einstigen Pfarrgeschichte (1808)
14. Geschichte der Pfarrei Nöggenschwiel (1810-1812)
15. Kulturgeschichte des Schwarzwaldes (1813)
16. Geschichte der Pfarrei Gurtweil (1814)
17: Aus dem Leben des Priesters Adamantios Origenes (1815)
18. Schicksale der Wiedertäuferlehre auf dem Schwarzwalde
(Materialien zur Geschichte des süd-östlichen Schwarzwaldes)
(1815)
19. Urkundliche Nachrichten zur Landgeschichte. Sammlung von Urkunden,
welche sich größtenteils auf St. Blasien, Hauenstein, den
Klettgau usw. beziehen (1816)
20. Römische Alterstümer auf dem südöstlichen
Schwarzwalde, besonders über die Ausgrabungen bei Lauchringen
(1817)
21. Deutsches Land und deutsches Volk. Charakterzüge aus dem 12.
und 13. Jahrhundert, meistens aus dem Nibelungenliede und den
Minnesängern gesammelt (1818)
22. Hercynia oder Eigentümlichkeiten der Schwarzwälder
Mundart (1819)
23. Umriß der Geschichte von der alemannischen Landgrafschaft
Alpgau oder Hauenstein (1820)
Literatur:
Dr. Heinrich Schreiber: Vortrag bei der Gedächtnisfeier der
Stifter an der Albert-Ludwig-Hochschule (1831)
Joseph Bader: Das ehemalige Kloster St. Blasien, FDA (1874)
Franz Xaver Werk: Stiftungsurkunden akademischer Stipendien an der
Hochschule Freiburg von 1497-1842 (1842)
Leo Beringer: Die Geschichte des Dorfes Gurtweil (1960)
Anmerkungen sind aus dem Buch :
Geschichte der Salpeterer auf dem Süd - östlichen
Schwarzwalde, von Joseph
Lukas Meyer, Herausgegeben und mit einer Biographie des Verfassers, so
wie mit einem Nachtrage zur Geschichte der Salpeterer versehen von Dr.
Heinrich Schreiber (1857)
Anmerkung *1
zum Text
Über Meyers seelsorgerliche Verhältnisse und Wirksamkeit zu
Nöggenschwiel (Nöggenschweil) theilte mir Herr Pfarrer Kleber
folgende Notizen gefälligst mit. "Meyer war von dem besseren
Theile des Volkes stets geliebt und geachtet; Bigotten und junge Leute
waren ihm nicht ganz gut. Erstere, weil er in der Gottesverehrung dem
todten Mechanismus der Werkheiligkeit, der passiven Frömmelei
stets entgegen arbeitete, und auf eine Anbetung Gottes in Geist und
Wahrheit drang; die anderen weil er streng auf den Besuch der
christlichen Lehren und der Schule hielt. Obwohl stiefmütterlich
von der Natur mit Musikgehör versehen, gab er sich alle Mühe,
deutsche Lieder einzulernen, um den Kirchengesang einzuführen und
junge Leute zu unterrichten, welche er durch kleine Geschenke
ermunterte. Feind war er dem geisttödtenden Rosenkranz, den er
allmählig abschaffte.
Da gegen seinen Willen die Pfarrangehörigen einmal bei der Messe
den Rosenkranz anfingen, blieb er an den Staffeln des Altares stehen,
bis sie denselben ausgebetet hatten; dann erst begann er die Messe.
Einen jungen Burschen den er zum Besuch der christlichen Lehre nicht
bringen konnte, versagte er in der Folge die eheliche Einsegnung, bis
er sich mehrere Wochen täglich beim Unterricht gestellt hatte.
Dies fruchtete. Sonst war er von scharfen Maasregeln kein Freund, aber
stets beharrlich in der Verfolgung seiner Zwecke. Einigemal legte er
mir bei Gelegenheitsreden in dem Mund, was er wünschte, daß
gesagt werden möchte, und um das Vertrauen nicht zu verletzen,
nicht gerne selbst sagte; was ich freudig that."
Anmerkung *2
zum Text
Nach vier Jahren (1813) wurde er auf eine bessere und letzte Stelle,
nämlich auf die Pfarrei Gurtweil gleichfalls bei Waldshut,
versetzt. Dieser Ort hat eine ungemein schöne Lage am fuße
des Gebirges unfern vom Rheine, und ist nicht ungeeignet, für
einen langjährigen Dulder zum Asyle zu werden.
Meyer fand hier auch wirklich noch eine Entschädigung für die
unausgesetzten Mühen und Bedrängnisse seines Lebens, aber
erst im Verlauf der Jahre; denn die erste Zeit seines Aufenthalts war
für ihn höchst drückend. Das Nervenfieber schwang
nämlich damals seine furchtbare Geißel über das Land
und besonders über diejenigen Orte, in welchen
Österreichische und Russische Militärhospitäler
errichtet worden waren. Dieses Los hatte auch Gurtweil getroffen,
gewissermaßen abgeschnitten, und den Soldaten preisgegeben war.
Anmerkung*3
zum Text
Herr Pfarrer Kleber schrieb mir hierüber unter Anderem
"Ich brachte einst völlig unbefangen einen mir sehr
angerühmten Vikar zu meinem Freunde. Unheimlich nahm mich dieser
mit der Frage auf die Seite: "was bringen sie mir hier für einen
schrecklichen Menschen?" In der That entwickelte er auch bald die
verwilderste Gemüthsart. Ein andermal stellte ich ihm ein mir
bekannten Studierenden als ein sehr talentvollen und hoffnungsreichen
jungen Mann vor. Meyer erwiederte kurz: "es wird nichts aus ihm
werden;" und es traf nur zu sehr ein. Ich könnte ihnen noch eine
Menge dergleichen Züge anführen."
Anmerkung *4
zum Text
Je mehr aber Meyers geistige Kraft sich entwickelte, je vielseitiger
seine Studien und je gründlicher seine Forschungen wurden, je mehr
er die Liebe seiner Gemeinde durch Erfüllung aller
seelsorgerlichen Pflichten gewann; desto mehr schienen gegenüber
seine körperlichen Kräfte abzunehmen, und sich wie eine
Lampe, welche keine Nahrung erhält, nach und nach sich verzehren.
Am meisten nahm dieses gegen das Frühjahr 1821 zu, da der
kränkliche Mann sichtlich seinem Grab entgegenwankte. Nur er
selbst schien es nicht zu bemerken oder nicht bemerken zu wollen, bis
er endlich wegen überhandnehmender Schwäche genöthigt
wurde, sein Lager nicht mehr zu verlassen. Allein auch hier behauptete
er diejenige Fassung und Ruhe, welche er seines vielfach bewegten
Lebens zu erringen sich bemüht hatte. Den 18. Juni des Jahres
fühlte er sich besonders schwach, und ließ deshalb auch
seine Dienstleute zu sich kommen. Er reichte ihnen seinen Arm mit der
dringenden Bitte, es ihm zu sagen, wenn der Puls zu schlagen
aufhören, und der kalte Todesschweiß sich zeigen würde.
Plötzlich brachen sie in lautes Weinen aus; er verstand es
vollkommen, nickte, wie Abschied nehmend, mit dem Kopfe, sagte mit
gebrochener Stimme: "bethet, ich sterbe!" und schloß die Augen
für immer. Kein Zug hatte sich in seinem Gesichte verändert.
Quelle:
Badische Heimat, Mein Heimatland 1976 Heft 3 Autor: Franz Hilger,
Pfaffenweiler
Geschichte der Salpeterer auf dem
Süd - östlichen Schwarzwalde,
von Joseph Lukas Meyer,
Herausgegeben von Dr. Heinrich Schreiber (1857)